Heute besprechen wir das Buch Nie wieder Krieg von Thorsten Rauwolf, erschienen beim Verlag Europa Buch. Wir präsentieren hier ein Interview mit dem Autor des Buches, um die persönlichen Aspekte und die wichtigsten Erfahrungen zu verdeutlichen, die in diesem Text verdichtet sind. Wir besprechen auch die wichtigsten Themen, die der Autor im Laufe seines Schreibens anspricht und die er mit seinen Leserinnen und Lesern teilen möchte.
Nie wieder Krieg von Thorsten Rauwolf, erschienen beim Verlag Europa Buch, erzählt die Geschichte eines Schülers in den 1980er Jahren, der im Rahmen eines Schulprojekts zum Thema „Nie wieder Krieg“ seine Familie zu ihren Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg befragt. Dabei stößt er auf verdrängte Erinnerungen, traumatische Erfahrungen und schmerzhafte Wahrheiten über Hunger, Flucht, Angst und Überleben. Die Gespräche offenbaren verschiedene Perspektiven auf das Kriegsende – vom einfachen Soldaten bis zur geflüchteten Großmutter. Zugleich entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte zwischen dem Erzähler und einem Mädchen, das selbst familiäre Kriegserfahrungen mitbringt. Das Buch verbindet persönliche Erinnerungen mit historischem Lernen und zeigt, wie prägend der Krieg bis heute ist. Hier ist das Interview mit dem Autor: Viel Spaß beim Lesen.
Welche Themen und Inhalte werden von Ihnen in dem Buch angesprochen?
Im Mittelpunkt steht Peter. Er lebt in den 80ziger Jahren. Es gab weder Handy noch Internet. Sein Schulprojekt, `Nie wieder Krieg´ fordert einiges von ihm. Er muss mit den Eltern zu Verwandten fahren, um etwas über den Krieg zu erfahren. Selbst telefonieren über das Festnetz ist in dieser Zeit zu teuer. Es ist schwierig, über den Krieg redet man nicht. Es dauert lange bis Peter etwas für die Ausstellung findet.
Gleichzeitig kommt Peter mit seiner Nicole zusammen. Sie erleben die erste Liebe, die ersten sexuellen Erfahrungen. Hierbei gibt es immer wieder Konflikte mit den Eltern.
Peter ist sozial eingestellt, bei Ungerechtigkeit hilft er sofort, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Ein Beispiel, er hilft einem fremden Mädchen im Bus, welches von Jungs geärgert wird. Andererseits besteht Peter auf seine Meinung. Er lässt sich keine schlechte Note geben, wenn er mit der Entscheidung des Lehrers nicht einverstanden ist. Dies sorgt für Konflikte mit den Lehrern.
Selbst im Freundeskreis lässt Peter keine Ungerechtigkeit zu.
Peter feiert gerne, am liebsten mit Nicole. Nicole hilft Peter bei seinem Schulprojekt.
Zum einen bleibt es spannend, ob Peter sein Schulprojekt zu Ende bringt. Auf der anderen Seite ist die Entwicklung zwischen Nicole und Peter interessant. Es bleibt offen, ob sie am Ende des Buches noch zusammen sind.
Wer sollte dieses Buch unbedingt lesen? Was möchten Sie ihm oder ihr vermitteln?
Dieses Buch ist für alle Altersklassen und Geschlechter. Man könnte es sogar in der Schule einsetzen. Es wird die Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges aufgezeigt.
Im Buch wird auf das Jahr 1985 hingearbeitet. Vierzig Jahre nach dem Krieg. Weitere 40 Jahre und wir befinden uns im Jahre 2025. Es ist nun 80 Jahre nach dem Kriegsende. Dennoch ist das Buch aktueller denn je.
Peter bekommt im Buch immer wieder gesagt, `Lebe´ genieße die Jugend. Feiere mit deinem Mädchen und deinen Freunden. Es bedeutet nicht, sich für nichts zu interessieren. Nicole, sowie Peter, haben klare Vorstellungen, wie es nach der Schule weiter gehen soll. Ausbildung, Beruf, Familie und vieles mehr.
Viele haben ihre Jungend im Krieg verbracht, mit 16 Jahren zur Ostfront. Peter wird im Buch 16. Andere waren 10 Jahre in Gefangenschaft. Für Peter eine unvorstellbare Zeit, da er gerade im 10. Schuljahr ist.
Das Buch vermittelt, man soll die Augen offenhalten. Bei Ungerechtigkeit nicht wegsehen, sondern handeln. Dennoch, trotz einer bedrohlichen Weltpolitik, sein Leben genießen. In den 80ziger Jahren war das Wettrüsten von Ost und West. Der dritte Weltkrieg war greifbar nahe. Junge Menschen stellen sich die Frage, ob man in so eine Zeit Kinder in die Welt setzen soll. Ja, man soll. Hätten sich die Eltern von Peter und Nicole diese Frage gestellt, würde es beide nicht geben. Oder die Großeltern. Wir leben immer in schwierigen Zeiten, man sollte eines nicht vergessen: Seine Familie, auf die man sich verlassen kann. Seine Freunde, für die man da ist, wann immer sie einen brauchen. Und selbst sollte man schöne Tage im Leben haben.
Was war Ihr Ziel beim Schreiben dieses Buches?
Eigentlich war alles anderes geplant. Vor 25 Jahren habe ich einen Stammbaum über meine Familie erstellt. Der Urgroßvater kam 1890 in die Pfalz nach Neustadt. 14 Kinder hatte er, die mir bekannt sind. Vermutlich 2 im Kindesalter verstorben. Er hat hunderte Nachfahren. Ich besuchte viele „Verwandte“, um Daten zu sammeln, aber mir wurden auch viele Geschichten aus den Familien erzählt. Den Stammbaum hatte ich auch schnell weiter zurück bis 1780.
Ich wollte diese einzelnen Geschichten in einem Buch zusammenfassen. Es wären viele kleine Kurzgeschichten gewesen ohne einen Zusammenhang. Diese Idee ging mir all die Jahre durch den Kopf. Ich schrieb andere Bücher, die ich nie veröffentlicht habe.
Vor 3 Jahren haben wir ein größeres Familientreffen veranstaltet. Es wurden viele alte Bilder gezeigt. Dabei stellen die Jugendlichen eine interessante Frage: `Waren früher alle Nazis´? Ich bemerkte, die jungen Männer auf den Bildern hatten alle ihre Reichwehruniform an. Wie es damals wirklich war, wussten sie nicht. Ich habe viele Geschichten zu den Bildern erzählt. Wer den Krieg überlegt hatte, war danach ein alter Mann. Ob 25 oder 30 Jahre, sie waren alt.
Ich wollte diese Geschichten festhalten. Deshalb ist die Idee mit dem Schulprojekt entstanden. Peter fährt von Familie zu Familie. Es wird ein wenig erzählt. Es kommen interessante Geschichten zusammen. Nun fragt die junge Verwandtschaft, wer die Personen im Buch wirklich waren.
Jede Familie hat ihre Geschichten, sie werden mit der Zeit verloren gehen. Wir können nur aus unserer Vergangenheit lernen. Das Buch beschreibt die Pfalz in den 80ziger Jahren, aber es hätte auch überall in Deutschland sein können. Vielleicht habe ich den einen oder anderen dazu bewegt, seine Familiengeschichte aufzuschreiben.
Dennoch soll das Buch beim Lesen Spaß machen. Es soll einem bewusst machen, heute zu leben und nicht auf morgen zu warten.
Wie haben Ihr Freundeskreis, Ihre Bekannte oder Ihre Familie auf die Buchveröffentlichung reagiert?
Überrascht. Ich habe schon einige Bücher geschrieben. Diese habe ich im Bekannten oder in der Familie gegeben, um zu hören, wie das Buch ankommen würde. Ich habe nur seltsame Kommentare zurückbekommen.
Nun kam das Buch `Nie wieder Krieg´. Ich habe niemanden etwas davon verraten. Die ersten 50 Seiten gingen an 5 Verlage. Ich wurde montags angerufen, der Anfang hört sich vielsprechend an. Man hätte gerne das ganze Buch. Freitags habe ich per Mail das Buch verschickt. Montags wurde ich schon angerufen. Sie konnte nicht aufhören zu lesen. Europa Buchverlag möchte mein Buch veröffentlichen. Ich war selbst überrascht, ich war außer mir vor Freude.
Nun habe ich es langsam meinen Kindern gesagt, meiner Mama. Dann meinen Freunden. Alle konnten es nicht glauben. Ich war auf einem Klassentreffen, was hat man so gemacht, die letzten Jahre. Klar, erzählte ich von meinem Buch. Es wird bald zu kaufen sein. Auch hier war man überrascht.
Das Buch fast Fiktion und Wahrheit zusammen. Peter und Nicole sind erfunden. Viele denken, ich wäre Peter. Es gab aber diese Nicole nicht. Einige Geschichten aus meinem Leben habe ich für Peter übernommen. Das Leben erzählt von Ereignissen, die kann man nicht erfinden. Aber alle Erzählungen aus dem Buch zum Thema Krieg beruhen auf Tatsachen. Ich habe die Orte und Namen geändert.
Als das Buch endlich da war, hieß es Werbung machen. Nun war ich überrascht über meine Familie und meine Freunde. Mit so viel Unterstützung hätte ich nicht gerechnet. Ich kann stolz sein, solche Freunde zu haben. Sie haben Leute aufgefordert zu meinen Lesungen zu kommen. Bei der ersten Lesung stande man Schlange, um sein Buch signieren zu lassen. Ich war nervös, ich war überwältigt. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Dank meiner Freunde habe ich neuen Mut gefasst, weiterzugehen. Buchhandlungen ansprechen, weitere Lesungen und vieles mehr.
Stehen schon neue Projekte an?
Es ist so, im Buch `Nie wieder Krieg´, habe ich nur einen Bruchteil der Geschichten aus meiner Familie untergebracht. Es gibt noch vieles mehr. Soll es ein Buch Teil 2 geben? Soll der jüngere Bruder von Peter 1986 auch so eine Ausstellung machen? Ich habe hier keine richtige Idee gefunden, was man passend anschließen könnte. Peter erzählt seine Geschichte und eigentlich ist das Buch somit beendet. Es muss eine andere Geschichte sein. Etwas, was nichts mit diesem Buch zu tun hat.
Nicole erzählt nun ihre Geschichte. Zur gleichen Zeit, wie Peter. Nur aus einer anderen Sicht. Eine andere Schule, anderer Bekanntenkreis. Eine ganz neue Geschichte. Sie kommt mit Peter zusammen und so weiter. Sie hilft ihm bei seinem Schulprojekt und stößt hierbei auf ein dunkles Familiengeheimnis. Obendrein soll nun Nicole kurzfristig auch eine Ausstellung in ihrer Schule zum Thema Krieg machen. Andere ältere Leute werden besucht. Andere Geschichten werden erzählt. Dieses Buch geht nach dem Schulprojekt von Peter weiter. Die Ausstellung von Nicole ist ein paar Wochen später. Nun heißt es Vollgas geben.
Nicole sieht in ihrem Buch vieles anders, als Peter in seinem Buch dachte. Nun wird es aber schwierig. Für mich als Mann war es `einfach´ über einen männlichen Jugendlichen zu schreiben. Aber nun ein Buch über ein vierzehnjähriges Mädchen? Ich war wieder unsicher. Ich habe jungen Menschen zugehört. Ich habe erklärt, was ich vorhabe und nachgefragt. Peter wiegt im Buch 63 Kilo. Was wiegt ein 14jähriges Mädchen? Ich weiß es nicht. Wenn ich ein Mädchen auf der Straße anspreche, was sie wiegt, werde ich vielleicht verhaftet oder so. Also, ganz vorsichtig vorgehen.
Das Buch wird `Die Wahrheit´ heißen. Es ist eine Anspielung zum anderen Buch, weil Nicole ihre Geschichte erzählt. Außerdem geht es darum, die Wahrheit über das Familiengeheimnis herauszufinden. Auch hier wird nicht geredet.
Man kann das neue Buch lesen, ohne das andere zu kennen. Man kann eins nach dem anderen lesen, egal in welcher Reihenfolge. Man kann aber auch beide gleichzeitig lesen. Es wird interessant.
Ich habe aber auch noch einen Westernroman im Kopf. Siedler brechen ins neue Land auf. Eine einzigartige Liebegeschichte. Aber auch Vorurteile und sprachliche Differenzen. Das einfache schwierige Leben. Aber das ist noch im Kopf.

Wir danken dem Autor für die Beantwortung unserer Fragen und die Hilfe, den Text und die damit verbundenen Erfahrungen auf den Kern zu bringen. Nie wieder Krieg von Thorsten Rauwolf, erschienen beim Verlag Europa Buch, verdient es, aufmerksam gelesen zu werden, weil das Buch neue Perspektiven und Wahrnehmungsmöglichkeiten eröffnet.
