Heute besprechen wir das Buch Leichenmond von Dietmar Schenk, erschienen beim Verlag Europa Buch. Wir präsentieren hier ein Interview mit dem Autor des Buches, um die persönlichen Aspekte und die wichtigsten Erfahrungen zu verdeutlichen, die in diesem Text verdichtet sind. Wir besprechen auch die wichtigsten Themen, die der Autor im Laufe seines Schreibens anspricht und die er mit seinen Leserinnen und Lesern teilen möchte.
Leichenmond von Dietmar Schenk, erschienen beim Verlag Europa Buch, erzählt die Geschichte vom Mediziner Malcolm. Er ist ein wohlhabender, aber gequälter Mann, der seiner krankhaften Obsession für Nekrophilie in mondhellen Nächten nachgeht. Unterstützt von seinem Komplizen Binagh, gräbt er heimlich Leichen aus und verliert sich in düsteren Trieben, während seine seelische Zerrissenheit zunimmt. Parallel dazu entwickelt sich die Geschichte von Lucy, einer jungen Frau, die im religiösen Wahn rothaarige Männer tötet, die sie für Teufel hält. In einer düsteren, mittelalterlich anmutenden Welt voller Inquisition, Gewalt und psychischer Abgründe verweben sich Schicksale und Wahnsinn auf beklemmende Weise. Der Roman ist eine literarische Grenzerfahrung – provozierend, verstörend und psychologisch tiefgründig.
Hier ist das Interview mit dem Autor: Viel Spaß beim Lesen.
Welche Themen und Inhalte werden von Ihnen in dem Buch angesprochen?
Vorrangig geht es um die Themen sexuelle Abartigkeit – hier: Nekrophilie, und religiösen Fanatismus. Beide Themen stehen im krassen Gegensatz zueinander und kreuzen das Geschehen. Eine junge Frau, die rothaarige Männer für Gesellen des Teufels hält und tötet ist die einzige, die den rothaarigen Alchimisten Malcolm von seiner sexuellen Veranlagung befreien könnte. Es ist ein schier aussichtsloses Unterfangen, in dem auch das Thema Liebe letztendlich seinen Platz hat. Damit ist der Hauptplot geschmückt.
Im Nebenplot gibt es den Pfarrer Caelius, der der Völlerei frönt. Da er seiner Gemeinde aber Enthaltsamkeit predigt, sieht er sich immer öfter in Erklärungsnot, wenn Jesus ihm vom Kruzifix herab bei seinen Mahlzeiten zuschaut. Mit der Zeit zermürbt ihn dieses Laster
Der Dominikaner Gabor betreibt grausame Inquisition in der Stadt auf der Suche nach dem Grabschänder. Dass er damit nach eigener Auffassung die Todsünde der Maßlosigkeit begeht, treibt ihn langsam, aber sicher in den Wahnsinn, zumal er mit seiner Inquisition auf keinen grünen Zweig kommt und nur Unschuldige tötet.
Malcolms Gehilfe Binagh leidet unter dem Werwolfsyndrom. Malcolm kann ihn davon befreien, aber genau das steht immer mehr zwischen den beiden und schürt das Misstrauen.
Wer sollte dieses Buch unbedingt lesen? Was möchten Sie ihm oder ihr vermitteln?
Regisseur Stefan Jonas von den Bavaria Filmstudios kennt sich mit Liebe aus, da er an der Dauerserie „Sturm der Liebe“ beteiligt ist. Er beschreibt „Leichenmond“ als eine heftige Liebesgeschichte, wie sie so noch nie erzählt worden ist. Außerdem läuft gerade eine Leserunde bei Lovelybooks. Hier sind Leute ausgewähltdenen es nicht heftig genug sein kann
– die Hardcore lieben
– die wissen möchten, wie Nekrophilie und Mittelalter miteinander verarbeitet wurden
– die das Setting „Friedhof bei Nacht unter rotem Mond“ mögen, weil sie es düster und sich gruseln möchten
– die auf Thriller, Mittelalter und das Außergewöhnliche stehen
Den Leser erwartet eine düstere, verstörende Atmosphäre, in der gotische und historische Themen mittels einer direkten Sprache vermittelt werden. Darüber hinaus erwarten ihn psychoanalytische Perspektiven und innere Konflikte der Figuren. Wer eine außergewöhnlich erzählte Lovestory sucht, zu der die genannten Faktoren passen, sollte hier unbedingt zugreifen.
Was war Ihr Ziel beim Schreiben dieses Buches?
Als mir ein Sachbuch über sexuelle Entgleisungen in die Hände fiel und ich über das Thema Nekrophilie stolperte, da dachte ich mir wie es wohl sein würde, wenn jemand mit diesem Trieb im Mittelalter Gräber geschändet hätte. Daraus wurde 2003 ein Drehbuch. Da die deutsche Filmindustrie jedoch einstimmig der Meinung war, ein solches Thema könne hierzulande nicht realisiert werden, entschloss ich mich 20 Jahre später, daraus einen Roman zu machen. Dabei verfolgte ich das Ziel, etwas schier Unmögliches darzustellen und gleichzeitig darauf hinzuweisen, dass nichts unmöglich ist.
Die Protagonisten haben alle ihre Probleme, entweder mit sich selbst, oder mit ihren Zeitgenossen. Für manche geht die Geschichte übel aus, andere erleben ein Happy-End. Wer in die Story eintaucht wird sich fragen können, welche Lösung es für das eine oder andere Problem wohl gegeben hätte und ob man selbst dazu in der Lage wäre, wenn es einen selbst betrifft.
Wie haben Ihr Freundeskreis, Ihre Bekannte oder Ihre Familie auf die Buchveröffentlichung reagiert?
Meine Familie hat das Manuskript natürlich schon vor der Veröffentlichung gekannt. Vor allem meine Partnerin steckt tief mit drin, weil sie mir für Ratschläge zur Seite stand, gerade wenn es um weibliche Empfindungen ging. Auf jeden Fall kam der Roman bei allen gut an, und sie fieberten der Veröffentlichung entgegen. Das hat noch einen anderen Grund, als nur Neugierde oder Nervenkitzel, denn ich habe mich entschlossen, einen beträchtlichen Teil der Tantiemen einem guten Zweck zu stiften. Alle finden das super und hoffen, dass möglichst viel Geld zusammen kommt, indem sich sehr viele Bücher verkaufen.
Stehen schon neue Projekte an?
Ich habe noch das ein oder andere Projekt in der Schublade. Sie müssen nur noch überarbeitet werden. Damit warte ich aber ab, bis ich sehe, wie Leichenmond sich auf dem Markt benimmt. Projekte sind zum Beispiel:
– Die Straße der Ritter, ein historischer Roman, bei dem ein Johanniter sich 1478 bei der Belagerung von Rhodos in eine Griechin verliebt. Ihm bleiben nur drei Möglichkeiten: Gefängnis, Tod, oder die Liebe beenden. Letzteres kommt für ihn nicht in Frage
– Cornwall sehen – und sterben? Eine todkranke Mutter sucht noch bei Lebzeiten Pflegeeltern für ihr 10-jähriges Töchterchen. Sie findet ein kinderloses Ehepaar, das sich sehr darauf freut. Als die Mutter aber gesund wird, wird es stressig
– How Kola: Ein amerikanischer GI wird von zwielichtigen Typen gezwungen, eine ganz besondere Trophäe zu besorgen: Einen Indianerskalp. Zunächst einmal hat er keine Wahl, weil man seine Liebste als Geisel genommen hat. Aber er dreht den Spieß um und verhilft einem heruntergekommenen Stamm zur Blüte
– Außerdem ist da noch ein Manuskript, bei dem ein Detektiv einen Auftrag erhält, einen Vermissten zu suchen. Dass er damit von einer mörderischen Sekte gesteuert wird und er der Vermisste selbst ist, ist das Geheimnis der Story.
Ich bin immer bemüht, Geschichten ins Leben zu rufen, die sich fernab des Mainstream tummeln und Konflikte anfassen, die selten bis gar nicht erzählt wurden.

Wir danken dem Autor für die Beantwortung unserer Fragen und die Hilfe, den Text und die damit verbundenen Erfahrungen auf den Kern zu bringen. Leichenmond von Dietmar Schenk, erschienen beim Verlag Europa Buch, verdient es, aufmerksam gelesen zu werden, weil das Buch neue Perspektiven und Wahrnehmungsmöglichkeiten eröffnet.