Heute besprechen wir das Buch Der Krieg des kleinen Kerls von Dudel Saque, erschienen beim Verlag Europa Buch. Wir präsentieren hier ein Interview mit dem Autor des Buches, um die persönlichen Aspekte und die wichtigsten Erfahrungen zu verdeutlichen, die in diesem Text verdichtet sind. Wir besprechen auch die wichtigsten Themen, die der Autor im Laufe seines Schreibens anspricht und die er mit seinen Leserinnen und Lesern teilen möchte.
Der Krieg des kleinen Kerls von Dudel Saque, erschienen beim Verlag Europa Buch, erzählt die Geschichte des fiktiven Despoten Semjon Semjonovich Tzukin, der als überzeichnetes Abbild eines autoritären Staatsführers dargestellt wird. In sarkastischem Ton schildert der Autor Machtfantasien, Propaganda, Kriegsvorbereitungen und die groteske Selbstinszenierung politischer Eliten. Im Kontrast dazu steht die Perspektive des ukrainischen Präsidenten Olentschuk, der überrumpelt, aber entschlossen reagiert. Die Handlung spiegelt reale politische Ereignisse in überhöhter, absurder Form und liefert scharfe Kritik an Machthunger, Zynismus und Kriegslogik. Das Buch ist eine literarisch pointierte Auseinandersetzung mit autoritärem Denken, Medienmanipulation und dem Irrsinn des Krieges.
Hier ist das Interview mit dem Autor: Viel Spaß beim Lesen.
Welche Themen und Inhalte werden von Ihnen in dem Buch angesprochen?
Auf zwei Handlungsebenen wird über Schicksale und Erlebnisse von Menschen in Europa, die der Überfall auf die Ukraine am 22.04.2022 verursachte, erzählt.
In satirischer Form zeigt die erste Ebene Gedanken und Entscheidungen von fiktiven europäischen Politikern, Militärs und Propagandisten, die das Leben von Millionen Menschen beeinflussen. Die zweite Handlungsebene beginnt mit drei Kleinbussen, die mehr oder weniger zufällig auf einem polnischen Bahnhof ukrainische Flüchtlinge aufgabeln. Menschen, die einander unbekannt sind und unterschiedlichen sozialen Schichten angehören, landen in einer westfälischen Kleinstadt, die für viele Orte in der EU, steht. Ihre Fluchtgründe, ihre Zweifel, Ängste, ihre Gedanken über das Land, das ihnen zeitweilig Heimat werden soll, aber auch ihr Mut sich der neuen Umgebung zu stellen, werden in voneinander unabhängigen und doch miteinander verwobenen Geschichten, dargestellt. Gleichzeitig erlebt der Leser die spontan organisierte Hilfsbereitschaft der Einwohner, die dem Aufenthalt der Geflüchteten in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft Rückhalt und Struktur, die weder Staat noch Kommunen leisten konnten, gaben. Ich erzähle von Missverständnissen, Hoffnungen und dem Willen der Europäer dem Krieg Menschlichkeit und Solidarität entgegenzusetzen. (174)
Wer sollte dieses Buch unbedingt lesen? Was möchten Sie ihm oder ihr vermitteln?
Zuerst möchte ich all denen in meiner Heimatstadt danke schön sagen, die spontan, uneigennützig und mit einer Selbstverständlichkeit die mich überrascht hat, völlig fremden Menschen halfen, wieder Lebensmut und den Glauben an Menschlichkeit zu geben. So wie in meiner Stadt, haben Menschen in ganz Europa gehandelt. Ich möchte dem Optimismus eine Lanze brechen. Wir Europäer, sind trotz aller nationalen Besonderheiten, in der Lage, alte Ressentiments, die Jahrhunderte kriegerischer Auseinandersetzung zwischen den Völkern Europas mit sich brachten, und die nach wie vor in den Herzen und Köpfen der Europäer existent sind, zu überwinden. Unsere Stärke liegt m.E. in unserer Toleranz und Vielfalt, auch wenn diese Eigenschaften auf den ersten Blick als Schwäche erscheinen. Europa kann zum Vorbild für menschliches Zusammenleben werden. Diese Überzeugung versuche ich zu vermitteln. Trotz aller nationaler Egoismen, Krisen und Streitigkeiten, die auch dieses Buch nicht ausspart. Ich empfehle es allen, die Lust am Nachdenken, Schmunzeln und auf Rückbesinnung an die Zeit haben, als sie sich selbst übertrafen.(159)
Was war Ihr Ziel beim Schreiben dieses Buches?
Es sollte kein Buch werden. Mit Russen und Ukrainern verbinden mich seit Jahrzehnten Freundschaften. Als der Krieg zwischen ihren Ländern begann, musste ich gegen meine gefühlte Ohnmacht angehen. Ich beschloss als Dolmetscher ukrainische Flüchtlinge zu betreuen. So kommt man ins Gespräch. Mit Geflüchteten, freiwilligen und beruflichen Helfern. Ich begleitete die Flüchtlinge von den Containern für Spargelstecher bis zu den Startpunkten ihrer neuen Lebenswege. Ich lernte Neues über mein Land, entdeckte bisher nicht Wahrgenommenes und schrieb eine Episode über den Fall einer Flüchtlingsfamilie aus den Wolken ihres sozialen Status in Kiew und ihre Landung in den erwähnten Containern. Sie hätte bestenfalls Mitleid erregt. Mir wurde klar, Flucht vor Krieg ist vielschichtiger. Sie ist ein Ankommen oder Nichtankommen in einem neuen sozialem Umfeld. Hier die Geschichten der Geflüchteten, dort die über Bereitschaft oder Trägheit der Gesellschaft ihnen mehr als Bleibe und Steuernummern zu bieten. Es geht um Menschenwürde und Achtung. Ein Kraftakt für beide Seiten, voller Missverständnisse und Lernprozesse. Mit dem Verlassen der Container beginnt für die Geflüchteten die gesellschaftliche Normalität, aber auch die Gefahr in der Anonymität zu verschwinden. Beim Nachdenken darüber kam ich zu dem Schluss, dass ich versuchen sollte über diese Dinge zu schreiben. Deshalb dieses Buch. (197)
Wie haben Ihr Freundeskreis, Ihre Bekannten oder Ihre Familie auf die Buchveröffentlichung reagiert?
Meine Frau war sauer, weil die Veröffentlichung auf eigene Kosten geschah.
Die Urvariante hat den `Probelesern` gefallen. Allerdings hatte ich den Freundesbonus, der natürlich nicht immer objektiv ist. Wer möchte Freunde verlieren?
Meine ukrainischen Bekannten reagierten mit Interesse und Neugier auf die Abschnitte, die ich ihnen übersetzte. Sie würden gerne das ganze Buch kennenlernen. Mit Sprachlevel B 1 natürlich ein Problem.
Ohne Lektor hat es ein Maschinenbauer nicht einfach. Meine netten Ansprechpartnerinnen im Europa – Verlag Gaia, Francesca und Zylwia haben mich unterstützt und sich redlich bemüht die Fehler auszumerzen. Dafür möchte ich mich bedanken. Soweit ich das beurteilen kann, habe sie das Buch bis zu Ende gelesen und hielten die Korrespondenz mit mir aufrecht. Das ist doch schon was, oder? (121)
Stehen schon neue Projekte an?
Ja. Ein Band mit Kurzgeschichten und ein weiterer Roman. Letztendlich hängt deren Veröffentlichung neben der literarischen Qualität auch von meinen Finanzierungsmöglichkeiten ab. Deshalb hoffe ich, dass das vorliegende Buch einige Leser mehr als mein erster veröffentlichter Roman „Hexenhausland“, bekommt. Ich möchte dem Europaverlag ausdrücklich dafür danken, dass er mich bei der Vermarktung des Buches nicht allein gelassen hat. (58)
Wir danken dem Autor für die Beantwortung unserer Fragen und die Hilfe, den Text und die damit verbundenen Erfahrungen auf den Kern zu bringen. Der Krieg des kleinen Kerls von Dudel Saque, erschienen beim Verlag Europa Buch, verdient es, aufmerksam gelesen zu werden, weil das Buch neue Perspektiven und Wahrnehmungsmöglichkeiten eröffnet.